Ein paar Worte zur Ausrüstung

Reh im Schnee_20131222
Solche und ähnliche Momente können einem jederzeit passieren, jede draußen verbrachte Viertelstunde hat sich bei mir bisher gelohnt.

CLICK HERE FOR THE ENGLISH VERSION! Günstige, leichte, robuste, umweltfreundliche Ausrüstung für Draußen. Ein paar Tipps Dieser Post könnte jetzt sehr lang werden. Ich will es aber andersherum versuchen: anstatt Dich mit Ausrüstungsfragen zu beschäftigen, geh raus! Jetzt den Computer ausschalten und an die frische Luft gehen, idealerweise an deinen Sitzplatz. Auch wenn es schon Nacht ist, die halbe Stunde vor dem PC wäre besser draußen untergebracht, im Park, im Wald, am Fluss oder am Berg. Tatsächlich habe ich viel zu viel Zeit damit verbracht, im Internet nach der idealen Ausrüstung zu suchen; wenn es aber nicht um wochenlange Trekkingtouren oder hochalpines Bergsteigen geht, dann ist in meinen Augen die Ausrüstung ziemlich unwichtig – der ganzen Outdoor-Industrie zum Trotz. Diese scheint mir das dumme wie gefährliche Bild zu zeichnen, dass „Draußen“ ungemütlich und gefährlich ist, und erst mit der richtigen Ausrüstung betreten werden kann – dann aber sei man unverwüstlich. Warme, trockene Ersatzkleider und Regenschutz sowie eine Kopfbedeckung gegen die Sonne, ausreichend zu Trinken und vielleicht sicherheitshalber ein Handy – mehr braucht es für technisch einfachere Touren ausrüstungsmäßig nicht. Das entsprechende Wissen, das Wetter einzuschätzen etc. ist durch keine Goretex-Jacke zu ersetzen. Dass eine Jeans im Regen ungünstig ist, kann man selbst feststellen, die Erfahrung ist aber nicht gefährlich, sondern höchstens unangenehm. Beim nächsten Mal probiert man dann halt was anderes aus, und dafür ist dieser Blogpost gedacht.

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Ein selbstgebastelter „Gürtel“ aus dünnem Gurtband und einer Schnalle: Funktion bei minimalem Gewicht.
  1. Generell: aufs Gewicht achten! Normal nimmt man immer viel zu viel Gerödel mit, weil beim Einpacken hat man den Rucksack normalerweise ja nicht auf. Dabei bestimmt das Gewicht entscheidend, wie viel Spaß man auf der Tour hat! Ein schwerer Rucksack, und man bekommt von der Natur viel weniger mit. Damit der Rucksack nicht zu schwer wird, kann man verschiedenes machen: Leichtere Sachen einpacken. Eine kleine Stirnlampe statt einer großen. Oder anstatt des Edelstahl oder Alu-Geschirrs auf Titan umrüsten. Das kostet aber enorm und ist sehr energieaufwändig herzustellen. Meiner Ansicht nach sinnvoller und effektiver ist es, zu reduzieren. Und ggf. etwas einfach nicht mitzunehmen. Das Zeltlicht daheim lassen, da genügt die Stirnlampe auch. Oder besser: auch gleich auf ein Zelt (2-3kg) verzichten und stattdessen einfach eine Plane (0,3-0,8kg) nehmen. Sehr effektiv ist auch: Zip-lock Beutel für 1.Hilfe-Set, Hygieneartikel, etc. pp. , und die Hygieneartikel gering halten und in kleinsten Mengen mitführen.
  2. Wissen: ist notwendig, um sich gut in der Natur zurechtzufinden. Nicht nur Orientierung, erste Hilfe und Kenntnis der Naturgefahren sind wichtig. Will man unter einer Plane nächtigen, ist es hilfreich, sich ein paar Knoten beizubringen. Wenn man außerdem (ohne Feuerzeug?) ein Feuer starten kann, und das nach einem Regenguss, ist das ebenso hilfreich (siehe Punkt 8). Wichtig ist es auch, zu wissen, wie man keine Spuren hinterlässt: das Feuer nicht auf Humus/Gras anzünden, Stuhlgang vergraben, keine Taschentücher sondern chlorfreies Toilettenpapier benutzen etc. pp.

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    Nach 3 Jahren Dauernutzung gibt die Merinowolle definitiv nach. Dafür wärmt sie noch, wenn sie nass ist, und sieht zudem sehr sexy aus.
  3. Kleidung. Die Vorstellung, dass die richtige Kleidung uns wie eine Hülle vor der Umwelt schützt, und wir uns immer gleich wie bei 20°C Zimmertemperatur fühlen, finde ich ziemlich strange. Für mich soll die Kleidung dem Wetter die Spitzen nehmen und mich wohlfühlen lassen (was aber auch viel Einstellungssache ist). Das heißt: sie soll davor schützen, im Regen völlig durchnässt und/oder im Wind ausgekühlt zu werden. Außerdem soll sie mich wärmen, auch dann, wenns feucht ist. – Isolation: Hier gibt es für mich nichts besseres als Wolle. Nur bei trockener Kälte (unter -5°) im Winter greife ich auf eine Daunenjacke für die Pausen zurück. Ein dünnes Merino-Woll-T-shirt und darüber je nach Bedarf Wollpullis. Wolle wärmt im Gegensatz zu Plastik auch wenn sie feucht ist, fühlt sich gemütlicher an und verliert nicht wie ein Fleecepulli in einem Waschvorgang bis zu 2000 Mikrofasern an die Umwelt. Besonders mag ich die Teile von Woolpower (Socken, lange Unterhose, Pulli, Mütze – haben aber einen Polyesteranteil). Am Besten als dicke Isolation ist ein Alpaka-Pulli, wenn man ihn dafür hernehmen will. – Windschutz: lässt Feuchtigkeit entweichen, hält aber Wind ab. Der „ökologische“ Windschutz wäre wohl Etaproof = spezielle Baumwolle, oder das beste Material überhaupt: Loden. Leichter dagegen sind all die Windbreaker aus Plastik. Der günstige englische Hersteller Paramo produziert scheinbar anständig und macht gute Produkte; ich nenne ein ultra-leichtes Teil mein eigen und bin sehr glücklich damit. Es geht aber auch billiger. Eine „Softshell“ macht in meinen Augen keinen Sinn, da sie Isolation und Windschutz verbindet und so Flexibilität im Wechseln der Bekleidungsschichten nimmt. – Regenschutz: Hält den meisten Regen und auskühlenden Wind ab. Während der Windschutz wesentlich öfter getragen wird, und sich hier die Investition ziemlich lohnt, ist eine Regenjacke in meinen Augen weniger wichtig. Wenn es lange regnet, ist man in jeder Jacke irgendwann nass, egal wie teuer sie war. Nicht nur von außen, auch durch Kondens von innen. Regen ohne Wind (Wald, dichteres Gebüsch): Regenschirm! Regen mit wenig Wind: Poncho (deckt nebenbei auch den Rucksack ab). Regen mit Wind (exponierte Flächen): Regenjacke und ggf. -hose. Gegen Auskühlung ist der Schutz wichtig, auch wenn man nicht trocken bleiben kann.

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    Leichte Inov-8 TrailRoc Schuhe mit minimaler Dämpfung und Netz als Oberstoff: Trocknen fast genauso schnell wie sie nass werden, wiegen fast nichts und lassen mich gefühlvoll und leichtfüßig über Stock und Stein hüpfen.
  4. Schuhe: Seit einigen Jahren bin ich nur noch mit leichten Trailrunning-Schuhen und wenig Dämpfung unterwegs, derzeit fast ohne. Kein Gore-Tex, dann trocknen die Schuhe nie mehr, und nass werden sie doch irgendwann. Wegen Umknicken etc.: vielleicht vorher mit wenig/keinem Gepäck laufen gehen und den Fuß an den Stabilisierungsverlust gewöhnen. Dann stabilisiert er sich nämlich von selbst. So ist man leichtfüßig und behält noch ein Gespür für den vielfältigen Untergrund.
  5. Rucksack: Bequem sollte er sein und nicht zu schwer. D.h. in der Regel: keinen Schnick-Schnack und tausend Taschen, und nicht zu groß (das verführt nur, unnötig zu füllen!). Ich mache mit einem 45+8l Alpinrucksack mehrwöchige Touren. Speziell sind Ultralight-Rucksäcke ohne Tragesystem, die wiegen teils nur 400 Gramm, müssen aber auch dicht gepackt werden, damit sie gut sitzen. Mir ist ein einfaches Tragesystem das Mehrgewicht wert.
  6. Zelt: Schon mal unter einer Baumarkt-Gewebeplane geschlafen? Kostet 5€ und hält trocken. Und ist sehr leicht. Es gibt natürlich auch professionelle Planen, sog. „Tarps“. Ein Problem ist immer der Wind, d.h. in ausgesetzten Gegenden ist es schwierig mit einer Plane. Dafür scheint einem der Mond ins Gesicht. Und für diese Momente gehe ich raus. In ausgesetzten Gebieten dann halt ein Zelt, wobei es auch sehr stabile Tarp-Konstruktionen gibt.
  7. Schlafsack: hier habe ich eigentlich keine Tipps, nur dass ich im Sommer das hier verwende.
  8. Kocher: Statt des schweren Kocher-Systems (Gas, Benzin, Spiritus) einfach einen Hobo-Kocher und mit Holz kochen. Der Brennstoff ist meistens zur Hand und muss nicht mitgetragen werden. Außerdem kann man den Kocher dann gleich als Schälchen fürs Lagerfeuer nutzen. Ist doch mal kein brennbares Material aufzufinden, habe ich sicherheitshalber einen Cat-Stove und ein kleines Fläschchen Spiritus als Reserve dabei.

Wer sich ein richtiges Ultralight-Konzept anschauen möchte, kann sich diesen langen Post mal durchlesen. Oder diesen Faden an Empfehlungen für leichte und günstige Ausrüstung, ebenso diesen. Aber lieber stattdessen: nach draußen gehen!

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8 Kommentare

  1. Super Bilder, habe gestern einen Artikel geschrieben der ein wenig auf deinen zu trifft, man brauch nicht immer das angeblich beste und teuerste der Industrie, man soll sich wohlfühlen.

  2. Danke für dein schönes Feedback, siehst du das ich dir geantwortet habe oder muss ich dich dafür manuell verlinken ( sorry bin neu :P)
    Mein FOLLOW hast du , würde mich auch freuen

  3. alter. ich habe jetzt erst etwas verspätet deinen neuen blogpost bemerkt. sehr gute tips, ohne allzuviel schnickschnack! auch die erotik kommt nicht zu kurz. und am meisten freue ich mich über deine elvis-huldigung! denn: auch der king liebt die natur!

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