Die Naturgarten-Idee (zu Weihnachten)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Jetzt im Winter ist zwar nicht wirklich Gärnterzeit, aber ich muss trotzdem einfach einen Beitrag dazu verfassen. Der Grund ist mein neues Lieblingsbuch. Aber der Reihe nach. Schon seit Ewigkeiten fasziniert mich der Gedanke einer möglichst naturnah gestalteten Landschaft. Seit ich selbst nach dem Abitur Biotoppflege betrieben habe und miterleben konnte, wie sich auf kleinstem Raum eine unglaubliche Artenvielfalt entwickelte, lässt mich die Idee nicht mehr los, im eigenen Garten so etwas ansatzweise auch zu machen! Im Bild oben sieht man meinen kleinen Garten in Innsbruck. Keine lebensfeindliche Thujahecke, sondern Liguster rechts und vorne und links verschiedene Büsche. Den Holunder, der in der Ligusterhecke gewachsen ist, habe ich nicht abgesäbelt sondern wild wachsen lassen. Das war schon eine guter Anfang; ich habe dann rechts ein kleines Gemüse und Kräuterbeet angelegt, am Rand verschiedene Blumen gepflanzt und das ganze Jahr über ein kleines Vogelbad mit Wasser versorgt. Außerdem hatte ich links im Eck einen offenen Kompost. Zwischen den Büschen links habe ich zudem eine Trockenmauer angelegt: einfach größere Steine lose aufeinandergestapelt, dort wo möglichst viel Sonne hinkommt. Schließlich habe ich noch ein kleines Wildbienenhotel gebastelt, das bald besiedelt wurde. Innerhalb eines Jahres hatte ich eine wachsende Mauereidechsenpopulation, eine ganze Schar Vögel, nicht nur im Winter zur Fütterung, verschiedenste Insekten, wie den abgefahrenen Hummelschweber und sogar: Glühwürmchen! Weil ich keinerlei Außenbeleuchtung angebracht habe, und eben einen recht naturnahen Garten hatte, haben sogar sie sich eingefunden. Dabei musste ich fast keine Arbeit aufwenden, ein Paar Steine aufeinanderhäufen, und ein paar Pflanzen einsetzen – fertig. Aber wenn man nur Zugang zu gebündeltem Wissen hätte, wie man am besten solche ökologischen Nischen anlegt! und dann kam in München kürzlich die Erkenntnis: das gibts‘ alles schon längst! Am Anfang meiner Entdeckungen war dieser sprudelnde und mit Begeisterung ansteckende Autor: Reinhard Witt. Ich muss irgendwie den richtigen Suchbegriff eingegeben haben, jedenfalls habe ich mir sein Buch „Natur für jeden Garten“ bestellt und in einem Zug durchgelesen. Hier gibt es von Anfang bis Ende eine Anleitung für naturnahes Grün: ob es sich um einen so winzigen Garten wie meinen alten Innsbrucker handelt, um einen großen Garten mit richtigem Baumbestand, oder um öffentliche Grünanlagen. Witt mit seiner exzentrischen Schreibweise (Fußnoten zu Fußnoten!) schafft es, die Faszination für das ungebändigte Leben aus jeder Zeile sprechen zu lassen! Außerdem gibt es sogar einen Verein, den deutschsprachigen NaturGarten e.V., der sich der Naturgarten-Vision verschrieben hat (und z.B. eine Samen-Tauschbörse hat). Die Idee ist nämlich, ein grünes Netzwerk zu schaffen, das auch in unseren zu Tode erschlossenen Siedlungsgebieten einen Hauch Wildnis einziehen lässt und vor allem vielen Pflanzen und Tieren das Überleben sichert (was natürlich nicht heißt, dass man die noch unbesiedelte Natur dann nicht mehr schützen müsste – einen Luchs und Baummarder werde ich mit Naturgärten nicht durchbringen).

Die triste planierten öffentlichen Grünanlagen haben mich schon immer angeödet – jetzt, wo ich weiß, was man daraus machen könnte, halte ich es kaum mehr aus. Das aktuelle Lieblingsbuch ist nun aber nicht „Natur für jeden Garten“, sondern Witts „Wildpflanzen-Topfbuch“. Das Grundprinzip des Naturgartens ist nämlich denkbar einfach. Ich fange einfach am Anfang des Ökosystems an, der Rest kommt dann von alleine: d.h. ich pflanze heimische Wildpflanzen. Keine Thuja, keine überzüchteten Rosen und was weiß ich aus dem Gartencenter. An die heimischen Wildpflanzen konnten sich über Jahrtausende verschiedene Tiere anpassen, an ihnen hängt gewissermaßen ein ganzer Rattenschwanz an Ökosystem. Die einfache Naturgarten-Idee ist so einfach wie genial: fangen wir „unten“ im Ökosystem an, also bei den Pflanzen, stellt sich der Rest: Insekten, Vögel, Säugetiere, fast von selbst ein. Über den Daumen gerechnet: pro Pflanze bekomme ich 10 Tiere, bei 100 verschiedenen Wildpflanzen also 1000 neue Tiernachbarn. Das Geniale dabei ist, dass ich das auch auf einem 2 qm Balkon machen kann – in Töpfen! Und wenn man wie ich so glücklich ist, einen Garten zu haben, kann man zusätzlich die nicht bepflanzbaren Bereiche mit Töpfen zupflanzen. Neben Jon Youngs „What the Robin Knows“ sind diese Bücher zu meinen Lieblings-Naturbüchern avanciert, und ich blättere voller Sehnsucht und Tatendrang jetzt in den dunklen Winternächten darin und freue mich auf den Sommer. Meine Weihnachtsgeschenk-Empfehlung also ganz klar: diese beiden Bücher! Ich würde mich irre freuen, wenn ihr auch so motiviert in den Frühling startet und wir uns über Naturgarten-Erfahrungen austauschen könnten. Um es mit Witt zu sagen: „es warten so viele drauf!“

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