Advent Calendar Challenge!

In the long (hopefully snowy) winter nights ahead of us, lighting an advent wreath in the evening seems very cozy to me. Now my wife came up with this nice minimalist advent wreath:OLYMPUS DIGITAL CAMERA
So why am I talking about advent wreaths? Well, Franziska also came up with another brilliant idea: in order to decorate it, I am to bring something from my sit spot every day! This inspired me to challenge you to do the same.
Go out every day, even if it’s only the walk to the station on your way to work. Ideally, visit your sit spot every day. Then just bring something small home with you. Decorating your wreath day by day will also work as an advent calendar for you: every day you will receive one surprise from nature if you open your ears and eyes! You only have to go there to take it home.
What to bring?

  • of course, you can just take something decorative from your strolls.
  • even better would be something you don’t know: a leaf, a twig with buds, etc. After bringing it home, you can try to identify if using books, the internet etc. and learn something about it!
  • Another good possibility is taking something that reminds you of a special moment outside, of an encounter with a certain animal, a bird you saw etc.

On Christmas you will have 24 memories of special moments from outdoors, maybe you will have learned something about the plants and animals in your vicinity, and you will have paid a lot of attention to the natural world around you. You then just might as well keep going!
I will update you every week and show you what I have found and observed. I think the marvelous moments you will experience in nature should be enough to encourage you to do the same and share your observations here in the comments. Have a great time, I am already very curious to hear from you!

Ein paar Worte zur Ausrüstung

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Solche und ähnliche Momente können einem jederzeit passieren, jede draußen verbrachte Viertelstunde hat sich bei mir bisher gelohnt.

CLICK HERE FOR THE ENGLISH VERSION! Günstige, leichte, robuste, umweltfreundliche Ausrüstung für Draußen. Ein paar Tipps Dieser Post könnte jetzt sehr lang werden. Ich will es aber andersherum versuchen: anstatt Dich mit Ausrüstungsfragen zu beschäftigen, geh raus! Jetzt den Computer ausschalten und an die frische Luft gehen, idealerweise an deinen Sitzplatz. Auch wenn es schon Nacht ist, die halbe Stunde vor dem PC wäre besser draußen untergebracht, im Park, im Wald, am Fluss oder am Berg. Tatsächlich habe ich viel zu viel Zeit damit verbracht, im Internet nach der idealen Ausrüstung zu suchen; wenn es aber nicht um wochenlange Trekkingtouren oder hochalpines Bergsteigen geht, dann ist in meinen Augen die Ausrüstung ziemlich unwichtig – der ganzen Outdoor-Industrie zum Trotz. Diese scheint mir das dumme wie gefährliche Bild zu zeichnen, dass „Draußen“ ungemütlich und gefährlich ist, und erst mit der richtigen Ausrüstung betreten werden kann – dann aber sei man unverwüstlich. Warme, trockene Ersatzkleider und Regenschutz sowie eine Kopfbedeckung gegen die Sonne, ausreichend zu Trinken und vielleicht sicherheitshalber ein Handy – mehr braucht es für technisch einfachere Touren ausrüstungsmäßig nicht. Das entsprechende Wissen, das Wetter einzuschätzen etc. ist durch keine Goretex-Jacke zu ersetzen. Dass eine Jeans im Regen ungünstig ist, kann man selbst feststellen, die Erfahrung ist aber nicht gefährlich, sondern höchstens unangenehm. Beim nächsten Mal probiert man dann halt was anderes aus, und dafür ist dieser Blogpost gedacht.

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Ein selbstgebastelter „Gürtel“ aus dünnem Gurtband und einer Schnalle: Funktion bei minimalem Gewicht.

  1. Generell: aufs Gewicht achten! Normal nimmt man immer viel zu viel Gerödel mit, weil beim Einpacken hat man den Rucksack normalerweise ja nicht auf. Dabei bestimmt das Gewicht entscheidend, wie viel Spaß man auf der Tour hat! Ein schwerer Rucksack, und man bekommt von der Natur viel weniger mit. Damit der Rucksack nicht zu schwer wird, kann man verschiedenes machen: Leichtere Sachen einpacken. Eine kleine Stirnlampe statt einer großen. Oder anstatt des Edelstahl oder Alu-Geschirrs auf Titan umrüsten. Das kostet aber enorm und ist sehr energieaufwändig herzustellen. Meiner Ansicht nach sinnvoller und effektiver ist es, zu reduzieren. Und ggf. etwas einfach nicht mitzunehmen. Das Zeltlicht daheim lassen, da genügt die Stirnlampe auch. Oder besser: auch gleich auf ein Zelt (2-3kg) verzichten und stattdessen einfach eine Plane (0,3-0,8kg) nehmen. Sehr effektiv ist auch: Zip-lock Beutel für 1.Hilfe-Set, Hygieneartikel, etc. pp. , und die Hygieneartikel gering halten und in kleinsten Mengen mitführen.
  2. Wissen: ist notwendig, um sich gut in der Natur zurechtzufinden. Nicht nur Orientierung, erste Hilfe und Kenntnis der Naturgefahren sind wichtig. Will man unter einer Plane nächtigen, ist es hilfreich, sich ein paar Knoten beizubringen. Wenn man außerdem (ohne Feuerzeug?) ein Feuer starten kann, und das nach einem Regenguss, ist das ebenso hilfreich (siehe Punkt 8). Wichtig ist es auch, zu wissen, wie man keine Spuren hinterlässt: das Feuer nicht auf Humus/Gras anzünden, Stuhlgang vergraben, keine Taschentücher sondern chlorfreies Toilettenpapier benutzen etc. pp.

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    Nach 3 Jahren Dauernutzung gibt die Merinowolle definitiv nach. Dafür wärmt sie noch, wenn sie nass ist, und sieht zudem sehr sexy aus.

  3. Kleidung. Die Vorstellung, dass die richtige Kleidung uns wie eine Hülle vor der Umwelt schützt, und wir uns immer gleich wie bei 20°C Zimmertemperatur fühlen, finde ich ziemlich strange. Für mich soll die Kleidung dem Wetter die Spitzen nehmen und mich wohlfühlen lassen (was aber auch viel Einstellungssache ist). Das heißt: sie soll davor schützen, im Regen völlig durchnässt und/oder im Wind ausgekühlt zu werden. Außerdem soll sie mich wärmen, auch dann, wenns feucht ist. – Isolation: Hier gibt es für mich nichts besseres als Wolle. Nur bei trockener Kälte (unter -5°) im Winter greife ich auf eine Daunenjacke für die Pausen zurück. Ein dünnes Merino-Woll-T-shirt und darüber je nach Bedarf Wollpullis. Wolle wärmt im Gegensatz zu Plastik auch wenn sie feucht ist, fühlt sich gemütlicher an und verliert nicht wie ein Fleecepulli in einem Waschvorgang bis zu 2000 Mikrofasern an die Umwelt. Besonders mag ich die Teile von Woolpower (Socken, lange Unterhose, Pulli, Mütze – haben aber einen Polyesteranteil). Am Besten als dicke Isolation ist ein Alpaka-Pulli, wenn man ihn dafür hernehmen will. – Windschutz: lässt Feuchtigkeit entweichen, hält aber Wind ab. Der „ökologische“ Windschutz wäre wohl Etaproof = spezielle Baumwolle, oder das beste Material überhaupt: Loden. Leichter dagegen sind all die Windbreaker aus Plastik. Der günstige englische Hersteller Paramo produziert scheinbar anständig und macht gute Produkte; ich nenne ein ultra-leichtes Teil mein eigen und bin sehr glücklich damit. Es geht aber auch billiger. Eine „Softshell“ macht in meinen Augen keinen Sinn, da sie Isolation und Windschutz verbindet und so Flexibilität im Wechseln der Bekleidungsschichten nimmt. – Regenschutz: Hält den meisten Regen und auskühlenden Wind ab. Während der Windschutz wesentlich öfter getragen wird, und sich hier die Investition ziemlich lohnt, ist eine Regenjacke in meinen Augen weniger wichtig. Wenn es lange regnet, ist man in jeder Jacke irgendwann nass, egal wie teuer sie war. Nicht nur von außen, auch durch Kondens von innen. Regen ohne Wind (Wald, dichteres Gebüsch): Regenschirm! Regen mit wenig Wind: Poncho (deckt nebenbei auch den Rucksack ab). Regen mit Wind (exponierte Flächen): Regenjacke und ggf. -hose. Gegen Auskühlung ist der Schutz wichtig, auch wenn man nicht trocken bleiben kann.

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    Leichte Inov-8 TrailRoc Schuhe mit minimaler Dämpfung und Netz als Oberstoff: Trocknen fast genauso schnell wie sie nass werden, wiegen fast nichts und lassen mich gefühlvoll und leichtfüßig über Stock und Stein hüpfen.

  4. Schuhe: Seit einigen Jahren bin ich nur noch mit leichten Trailrunning-Schuhen und wenig Dämpfung unterwegs, derzeit fast ohne. Kein Gore-Tex, dann trocknen die Schuhe nie mehr, und nass werden sie doch irgendwann. Wegen Umknicken etc.: vielleicht vorher mit wenig/keinem Gepäck laufen gehen und den Fuß an den Stabilisierungsverlust gewöhnen. Dann stabilisiert er sich nämlich von selbst. So ist man leichtfüßig und behält noch ein Gespür für den vielfältigen Untergrund.
  5. Rucksack: Bequem sollte er sein und nicht zu schwer. D.h. in der Regel: keinen Schnick-Schnack und tausend Taschen, und nicht zu groß (das verführt nur, unnötig zu füllen!). Ich mache mit einem 45+8l Alpinrucksack mehrwöchige Touren. Speziell sind Ultralight-Rucksäcke ohne Tragesystem, die wiegen teils nur 400 Gramm, müssen aber auch dicht gepackt werden, damit sie gut sitzen. Mir ist ein einfaches Tragesystem das Mehrgewicht wert.
  6. Zelt: Schon mal unter einer Baumarkt-Gewebeplane geschlafen? Kostet 5€ und hält trocken. Und ist sehr leicht. Es gibt natürlich auch professionelle Planen, sog. „Tarps“. Ein Problem ist immer der Wind, d.h. in ausgesetzten Gegenden ist es schwierig mit einer Plane. Dafür scheint einem der Mond ins Gesicht. Und für diese Momente gehe ich raus. In ausgesetzten Gebieten dann halt ein Zelt, wobei es auch sehr stabile Tarp-Konstruktionen gibt.
  7. Schlafsack: hier habe ich eigentlich keine Tipps, nur dass ich im Sommer das hier verwende.
  8. Kocher: Statt des schweren Kocher-Systems (Gas, Benzin, Spiritus) einfach einen Hobo-Kocher und mit Holz kochen. Der Brennstoff ist meistens zur Hand und muss nicht mitgetragen werden. Außerdem kann man den Kocher dann gleich als Schälchen fürs Lagerfeuer nutzen. Ist doch mal kein brennbares Material aufzufinden, habe ich sicherheitshalber einen Cat-Stove und ein kleines Fläschchen Spiritus als Reserve dabei.

Wer sich ein richtiges Ultralight-Konzept anschauen möchte, kann sich diesen langen Post mal durchlesen. Oder diesen Faden an Empfehlungen für leichte und günstige Ausrüstung, ebenso diesen. Aber lieber stattdessen: nach draußen gehen!

Schlüssel zur Naturbeobachtung: der Sitzplatz

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Der Tannenhäher ist ein aufmerksamer Beobachter – und viele andere Beobachter im Wald beobachten ihn und seine Reaktionen auf seine Beobachtungen. Auch wir können das!

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Kein noch so hochwertiges Fernglas kann einem die Beobachtungen und Naturerfahrungen ermöglichen, die einem am Sitzplatz einfach so zuteil werden. Diese Routine als Beobachtungstechnik fasziniert mich ganz besonders, und lässt einen innerhalb kürzester Zeit unfassbar intensive Erfahrungen mit der wilden Natur vor der Haustür sammeln, die schließlich auch ein Verständnis von Natur überhaupt näher bringen. In diesem Blogpost möchte ich dazu anregen, sich einen Sitzplatz zu suchen und regelmäßig dort hin zu gehen!
Wenn ich zurückdenke, sind es genau solche Sitzplatz-Erfahrungen gewesen, die als Kind meine Begeisterung für die Natur geweckt haben. An irgendeinem schönen Fleck in der Natur einfach länger sitzen bleiben und hellwach die Augen und Ohren spitzen. Und dann zu diesem Ort regelmäßig zurückkehren und das Stillsitzen wiederholen.
Als Bub bin ich manchmal abends auf einen von mir favorisierten Hochstand geklettert und habe so lange still mit meinem Fernglas gewartet, bis sich vielleicht ein Reh gezeigt hat. Diese Beobachtung hat mich dann für Wochen mit Begeisterung erfüllt! Aber meine Freunde haben sich für andere Sachen interessiert und nachdem ich sonst niemanden hatte, der mir geholfen hätte, diese Begeisterung zu fokussieren und ihr nachzugehen, war es erst nach der Schule, dass ich als junger Erwachsener mit einem freiwilligen ökologischen Jahr meiner Liebe zur Natur mehr Platz einräumte. Auch dort habe ich die besten Beobachtungen auf einem Sitzplatz gemacht, und die Erfahrung des schweigenden Waldes, der plötzlich nicht mehr schweigt, war seitdem auch philosophisch für mich ein interessantes Phänomen. Erst seit meiner Naturführerausbildung und mit den regelmäßigen Führungen aber bin ich dazu gelangt, systematisch an einem Sitzplatz Naturbeobachtungen zu machen. Besonders die Wildnisschulen in der Tradition von Jon Young und Tom Brown und deren Mentoren betonen die Bedeutung dieser Routine.

Wo soll mein Sitzplatz sein?
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  • Ideal ist ein Ort, der dreierlei bietet: 1. offene Flächen, Wiesen/Rasen- oder Ackerflächen, 2. Wald oder Baumgruppen, außerdem einzelne Bäume, Hecken, Sträucher, 3. Wasser, idealerweise fließend als kleiner Bach, auch ein Teich ist ausgezeichnet, ansonsten auch ein Feuchtgebiet. Dabei sollte der ganze Ort möglichst viele verschiedene Arten beherbergen und naturnah ausgerichtet sein. Auf dem Foto oben sieht man eine extensiv genutzte Wiese, eine Hecke mit verschiedenen Gehölzen und schließlich ein Stück Mischwald – zwar ist hier kein Wasser dabei, aber als Sitzplatz ist ein solcher Fleck trotzdem perfekt geeignet.
  • Weil ganz entscheidend die Regelmäßigkeit der Beobachtung ist, sollte der Ort auch innerhalb von 5-10 Minuten von Zuhause aus erreichbar sein! Gerade wenn man in der Stadt lebt, kann man auch einfach mit dem nächstbesten Park vorlieb nehmen, oder mit Gärten oder industriellen Brachflächen auf denen Gräser, Bäume und Büsche aufkommen (besonders spannend!). In der Satellitensicht von Google Maps kann man z.B. sehr gut die nächste Freifläche eruieren!
  • Außerdem finde ich es angenehm aus der Sichtbahn von anderen Menschen herausgenommen zu sein, sodass ich mich ganz auf die Beobachtung konzentrieren kann.

Wann beobachte ich?
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  • Der Clou an der Sache ist die Regelmäßigkeit, am Besten gehst Du jeden Tag für 30-60 Minuten auf deinen Sitzplatz. Je häufiger und länger, desto besser, aber kaum jemand hat unbegrenzt Zeit zur Verfügung. Ich rechne mit 5 Min. hin- und Rückweg ca. 1 h, sodass ich 45 Min. effektiv sitzen und beobachten kann.
  • Je nach Tageszeit wirst Du andere Tiere und anderes Verhalten beobachten. Um deinen Sitzplatz wirklich gut kennenzulernen, geh am Besten auch einmal zu unterschiedlichen Zeiten – hier kannst Du Dich zusehends steigern. Weil alle Tiere mehr oder weniger eine Routine haben, lernst Du diese relativ schnell kennen. Kennst Du deinen Platz dann mittags und abends bei jedem Wetter in- und auswendig, kannst Du dir einmal den Sonnenaufgang oder die Nacht dort anschauen.
  • Im Lauf der Jahreszeiten lernst Du dann außerdem nicht nur den großen Kreislauf der Natur, sondern die ganzen kleinen der Tiere kennen, die an den großen gebunden sind. Hältst Du deine Routine über ein Jahr durch, hast Du bereits einen ersten Vergleich zu den Zusammenhängen mit der Witterung und Jahreszeit.

Wie beobachten?

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Wer war hier am Werk? Diese ringsum „ringelnden“ Hackspuren stammen von Spechten, die besonders im Frühling den kalorienreichen Baumsaft anzapfen. Mit dem Lineal ist es klar: hier handelt es sich um Spuren des Dreizehenspechtes, dessen Löcher nur 1-2 cm auseinander liegen, während der Buntspecht 3-4cm Abstand lässt.

Im Prinzip gilt es einfach so aufmerksam wie möglich die Umgebung zu studieren. Aber was heißt genau studieren? Ein paar Tipps können das Schauen deutlich erleichtern:

  • viel wichtiger als der Name der Tiere, die Du beobachtest, ist ihr Verhalten. Bevor Du also herausfinden willst, wie nun dieser Käfer und jener Vogel heißt, beobachte, was sie tun! Wo halten sie sich dabei auf? Verändert sich ihr Verhalten bei verschiedenen Tageszeiten, (Jahreszeiten) und unterschiedlichem Wetter? Versuche, einzelne Individuen zu erkennen, und schau so genau hin, bis Du besondere Merkmale erkennst, die sie von Artgenossen unterscheiden. Dann kannst Du auch versuchen sie in einem Bestimmungsbuch (siehe Literatur unten) wieder zu finden – auch das schult den Blick.
  • Mache Aufzeichnungen! Führe Tagebuch über deine Beobachtungen, anfangs vielleicht im 10-Minuten-Takt, später nach der Sitzplatz-Session zuhause. Zeichne die beobachteten Tiere! Die meisten können einen Spatz oder eine Taube wohl erkennen, aber könntest Du sie auch zeichnen? Das zwingt ganz besonders zum aufmerksamen Beobachten. Auch Tierspuren, die Du am Sitzplatz und in der näheren Umgebung finden wirst, kann man aufzeichnen, vermessen, und ihnen nachgehen – so lange bis Du nicht nur den Urheber, sondern eine ganze Geschichte entdeckt hast, warum, wann, wie, und was er dort trieb. Zum Spurenlesen gibts HIER mehr. Hast Du deine Beobachtungen erst einmal aufgeschrieben, stehen sie Dir gegenüber und stellen wie von selbst Fragen: Warum sind die piepsenden Vögel immer in dem großen Baum links oben? Was machen die dort eigentlich? Was fressen sie, und wo schlafen sie?
  • Um solche Beobachtungen zu machen, ist ein Fernglas natürlich hilfreich. So genial es Dich den heimlich umherstreifenden Tieren näher bringt, so auffällig bist Du aber auch, wenn du hektisch mit dem Glas vor den Augen hin und her wankst. Außerdem bekommt man so nur ganz spezifische Details mit und nicht den Zusammenhang. Ich habe meistens ein Fernglas dabei, und wenn ich etwas aus dem Augenwinkel entdeckt habe, dann nehme ich es langsam und entspannt zur Hand und kann so im Zweifel länger das entsprechende Tier beobachten.
  • Ganz besondere Aufmerksamkeit solltest Du den Vögeln schenken, die wie Zeichen für die Anwesenheit von bestimmten Tieren ausschlagen. Ein Vogel fliegt nie umsonst auf, so viel Energieverlust kann er sich nicht leisten. Also muss ihn etwas vertrieben haben/anziehen. Beobachtet man nun genau die Art des Auffliegens, erkennt man schnell, ob es eine größere (Sperber/Habicht) oder kleinere (Katze/Fuchs) Gefahr war, oder ob der Vogel völlig entspannt ist. Außerdem zeigen uns gerade kleinere Singvögel wie Meisen, Rotkehlchen, Amseln und andere Drosseln durch ihre Stimmen an, wie es ihnen geht: der lange Gesang ertönt meist nur, wenn keine Gefahr in Sicht ist, denn dann kommen Warn- und Alarmrufe zum Einsatz. Jede/r hat vermutlich schonmal die Erfahrung gemacht, eine Amsel auf dem Weg verscheucht zu haben. Das leicht vorwurfsvolle „tut-tut-tut“ ist ein erster Warnruf, zuvor hat sie aber meistens schon Essen aufgehört und nervös den Kopf gehoben. Auf solche Signale zu achten ermöglicht am Sitzplatz ein schnelleres Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Tieren. Auch wenn auf den ersten Blick die Bewegungen und Rufe der Vögel recht chaotisch scheinen, bei längerer Betrachtung versteht man immer eher ihr Verhalten und kann dann allmählich Schlüsse daraus ziehen. In diesem Video erklärt Jon Young (englisch) sehr nett, was genau es mit Vogelsprache auf sich hat.

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Relativ bald, wenn Du eine Sitzplatz-Routine etabliert hast, können Dir die verrücktesten Sachen passieren: Da kommt plötzlich ein Rehbock drei Meter neben Dir aus dem Gebüsch und lässt sich von Dir nicht stören – oder du siehst den Fuchs in der Sonne faulenzen – oder du entdeckst eine Eule auf ihrem Schlafbaum oder beobachtest das Liebesspiel von einem Meisenpaar. Und nicht nur am Sitzplatz selbst wirst du schnell unglaubliche Beobachtungen machen, deine Sinne werden sich durch diese Techniken generell schärfen, sodass Du überall mehr mitbekommst von all den normal unsichtbaren Tieren rund um uns herum! Das Problem ist nur, so diszipliniert zu sein, wirklich regelmäßig zum Sitzplatz zu gehen… aber es lohnt sich.

Zur Inspiration, zur Recherche, zur Bestimmung: Literatur.

Viele hilfreiche Ratschläge enthalten z.B. die englischen Publikationen von Jon Young:
Sehr sehr empfehlenswert! Gut zu lesen und extrem informativ und inspirierend! Mein Lieblingsbuch aus der letzten Zeit.
Jon Young. What the Robin Knows. How Birds Reveal the Secrets of the Natural World. Mariner Books: New York, 2013.

Auch sehr informativ, etwas trockener, dafür dicker und umfassender.
Jon Young, Tiffany Morgan. Animal Tracking Basics. Stackpole Books: Mechanicsburg, 2007.

Auch gut und deutsch ist das Buch von Ralph Müller, wenn man vielleicht von einem gewissen Hang zur Esoterik absieht, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Insgesamt aber empfehlenswert und sehr informativ!
Ralph Müller. Die geheime Sprache der Vögel. AT Verlag: München, 2010.

Als Spurenbestimmungshilfe verweise ich hier nochmal auf die schon in meinem Spurenlesen-Post empfohlene Literatur: Besonders den von Bang/Dahlström, oder das modernere von Olsen mit schönen Fotos. Günstiger und auch gut ist Ohnesorge/Scheiba. Generell empfehlenswert sind auch ältere Spurenbestimmungsbücher! einfach auf Eurobuch.com z.B. suchen, dann bekommt man sie sehr günstig und oft mit mehr Text.

Für Vögel kann ich die „Natur kompakt“-Reihe von Dorling Kindersley als ausführlichen und trotzdem kleinen Führer für unterwegs empfehlen (Vögel. 300 Arten entdecken & bestimmen); für die genauere Bestimmung zuhause, wie in meinem Post zur Winterfütterung beschrieben, sind die handgezeichneten Vögel aus Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens einfach perfekt – ideal gleich in der großen Ausgabe (die allerdings nicht ganz billig ist).

Für die Säugetierbestimmung kann ich Pareys Buch der Säugetiere empfehlen, auch bei Eurobuch.com antiquarisch zu erhalten.

Ich hoffe, dass ich Lust machen konnte, sich einen Sitzplatz zu suchen und dort Beobachtungen zu machen. Über Rückmeldungen und Geschichten würde ich mich natürlich sehr freuen!

 

 

 

Können Tiere sprechen?

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Können Menschen sprechen?

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Höchste Zeit, nicht nur über „Berge“ und „Naturführungen“ zu schreiben, sondern endlich einmal auch über „Philosophie“!
Die philosophische Frage nach den Tieren beschäftigt mich seit geraumer Zeit und aus vielen unterschiedlichen Gründen. Einerseits sind Tiere ständig um uns herum, ob wir sie bemerken oder nicht, sodass ein Philosophieren hier sehr „anschaulich“ zu sein verspricht. Tierbeobachtungen sind dann plötzlich nicht nur naturkundlich interessant, sondern auch philosophisch; man schaut nun im einen wie im anderen genauer hin: ein naturkundlich geschultes Auge bekommt Tiere differenzierter in den Blick, während die Philosophie auch auf den Betrachter ein Auge wirft und so die Wahrnehmungen der vielfältigen Tierwelt reflektiert und bewusster macht.
Die Philosophie bereichert aber nicht nur die eigene Lebenswelt, sie stellt auch triftige Fragen: gerade die nach den Tieren scheint mir besonders wichtig zu sein. Wenn Kant die vier großen Fragen der Philosophie als „1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen? 4. Was ist der Mensch?“ formulierte, mit dem Zusatz, dass die ersten drei Fragen in der letzten enthalten seien, die größte Frage also lautet: „Was ist der Mensch?“ – dann würde ich sie ersetzen durch die Frage: „Was sind Tiere?“. Aber der Reihe nach.
Wenn wir über Tiere sprechen, dann stellt sich für die Philosophie sogleich die Frage „von wo aus“ wir das tun. Es gibt natürlich verschiedene Zugänge, Blickwinkel, von denen aus man sich Tieren nähern kann.

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Die Waldmaus: Individuum oder Vertreter ihrer Art? Ist es ihr Ziel Gene weiterzugeben oder Nahrung zu finden und Kinder zu bekommen?

Die Biologie scheint am Besten über Tiere Bescheid zu wissen, sie hat aber auch einen spezifischen Zugang: mit wissenschaftlicher Distanz geht es für gewöhnlich weniger darum, was für einen Bezug die Forscherin zu den einzelnen Tieren aufbaut, sondern mehr um deren „typisches“ Verhalten, das Rückschlüsse auf die Art zulässt. Unter dem Mikroskop sind Tiere Vorkommnisse, die verzeichnet und studiert werden müssen, um die mitunter chaotischen Naturgesetze verstehen zu lernen. Finden wir mit diesem Zugang die Wirklichkeit, und also die Antwort auf meine Frage? Ist nicht genau das wirklich, was sich objektiv untersuchen lässt, „verifizieren“? Das nicht der zufälligen Meinung verschiedener Individuen ausgesetzt ist, sondern eindeutig messbar? Dann sind unsere Wahrnehmungen „bloß subjektiv“, das Konstrukt der eigentlich wirklichen Naturgesetze. Wenn ich freudig erstaune, weil ich die erste Mönchsgrasmücke (Foto folgt noch!) nach dem Winter in voller Kraft singen höre, ist dieses Erlebnis in Wirklichkeit eine Illusion die durch eigentlich wirkliche physikochemische Prozesse ausgelöst wird. Wirklich? Aber wer entscheidet darüber, was wirklich ist?

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Die Natur, Spiegel meiner selbst? (Arbeit von Peter Heidelbach und mir, Januar 2014)

Letztlich bin doch auch ich es, der die „objektive Natur“ sich zu vermessen anschickt. Was also wenn die ganze Idee einer objektiv vorhandenen Natur ein Konstrukt von mir ist? Wenn die „Naturgesetze“ Gesetze meines Denkens sind, und also weniger da draußen, als vielmehr in mir liegen – dann liegen sie sicher nicht in meinem „objektiven“ Gehirn, das ja das Produkt dieser Idee wäre! Wo liegen sie dann? Ein ziemlich altmodisches, verstaubtes Wort bietet sich da an: Geist. Also unser herumgeisterndes Denken hat eine bestimmte Gesetzmäßigkeit, „Vernunft“ (gleich noch so eins), die schon bestimmt wie wir die Welt wahrnehmen, bevor es überhaupt dazu kommt. Gut, dann wäre meine Freude über die Mönchsgrasmücke doch primär wirklich und nicht bloßes Resultat unsichtbarer Prozesse, aber was hat das nun mit den Tieren zu tun?
Wählen wir den Zugang von unserer Vernunft, dann sehen wir in den Tieren, genauso wie in einer Geröllhalde, unser anderes: das, was wir nicht sind. Diese Fremdheit lässt sich nun unmöglich überwinden: auch wenn ein winselnder Hund mein Mitleid erregt, tut er das nur deswegen, weil ich mich in ihm erkenne, seine Ähnlichkeit zu mir mir einen Spiegel vorhält. Meine Denkstrukturen sind ja in allem aktiv, insofern bin ich auch gewissermaßen in allen Wahrnehmungen selbst anwesend. Die ganze Welt ist so ein Spiegel meiner selbst! Nur wie sieht das mit anderen Menschen aus? Die haben ja dieselben Denkstrukturen, also ist bis auf uns, die wir uns verstehen und miteinander sprechen die ganze Natur der Spiegel der menschlichen Vernunft. Nur: woher weiß ich, dass nicht auch die anderen Menschen ein Spiegel sind, meiner Vernunft? Wie kann ich wissen, dass nicht alles ein Traum ist, wo doch alles in meinem Denken ist? Tja, wissen kann man das nicht.

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Sind für uns die Gämsen letztlich genauso fremd wie die Schotterreiße, in der sie nach Nahrung suchen?

Aber es ist schon ein ziemlich fader Gedanke! Wir scheinen uns in der Mehrheit der Fälle doch tatsächlich ganz gut mit anderen zu verstehen, und verlassen uns ja auch ständig darauf – haben das sogar schon getan bevor wir uns mit solchen verrückten Fragen beschäftigt haben. Unser Leben ist also schneller als unser Denken, und vielleicht würde es Sinn machen als ein erstes das Leben anzuerkennen? Zu sagen also, dass die Wirklichkeit nicht nur in unseren Denkstrukturen liegt, sondern auch irgendwo da draußen, wo wir die ganze Zeit mit irgendwas und irgendwem zu tun haben. Dann verstehen wir unsere Mitmenschen also doch wirklich (meistens wenigstens). Nur wenn sie nicht mehr bloß Spiegel unserer Vernunft sind, dann kann auch die Natur nicht mehr nur eine völlig fremde Kontrastfolie sein! Ein solcher Zugang, der bei den alltäglichen Beobachtungen anfängt – von denen wir anfangs noch dachten, sie seien „bloß subjektiv“ – begegnet nun Tieren gewissermaßen auf Augenhöhe.

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Augenhöhe? Nehmen wir an, dass der kopfüber hängende Kleiber uns anblickt, und nicht nur in unsere Richtung schaut.

Während also aus wissenschaftlicher Distanz allerhand Ergebnisse möglich werden, sind diese nicht letztlich „die Wirklichkeit“, sondern stark von unserem „Geist“ geprägt, also nicht Tatsachen, sondern (teils sehr interessante und hilfreiche) Konstrukte. Dieser Zugang wäre wohl vereinfachend als „Materialismus“ oder „Naturalismus“ zu bezeichnen. Genauso vereinfachend könnte man die Erklärung der Welt aus unseren Denkstrukturen, unserer Vernunft, also den zweiten Zugang, „Idealismus“ nennen. Der dritte Zugang, der direkt bei unseren Erfahrungen ansetzt und die horizontale Dimension der Lebenswelt verfolgt, wäre die Phänomenologie. Wie unschwer zu erkennen ist, favorisiere ich letzteren Ansatz! Was aber sind nun die Tiere aus der Blickrichtung unserer Erfahrung?

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Bin ich ein sekundäres Produkt physikochemischer Prozesse, ein Spiegel deiner selbst oder bin ich das, was ich zu sein scheine?

In unserem alltäglichen Denken und ziemlich der ganzen philosophischen Tradition sind Tiere grundsätzlich von uns unterschieden. Diese Unterscheidung ist nicht nur für das Wesen der Tiere entscheidend, sondern betrifft auch die Menschen! Nicht umsonst wurde der Mensch als „vernünftiges Lebewesen/Tier“(Aristoteles, Thomas v.A.) oder „noch nicht festgestelltes Tier“(Nietzsche) bestimmt. Wenn gerade die Abgrenzung es erst ermöglicht, das Eigene des Menschen hervorzuheben, dann bleibt dieses unweigerlich an seinen Widerpart gekoppelt. Die Frage, ob Tiere sprechen ist also auch eine Frage nach dem Wesen des Menschen, des sprechenden/denkenden Tieres. Inwiefern ist es sinnvoll, Identität unter Menschen zu stiften durch Abgrenzung zu den Tieren? Was wäre daran problematisch? z.B. dass es ein Moment von Gewalt, von Herrschaft darstellt, just hier eine Grenze zu ziehen, wo das „Wir“ beginnt? Oder lässt sich diese Grenzziehung auch mit reichhaltiger und selbstkritischer Erfahrung aufrecht erhalten?

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„Nur ein Tier“, während wir wandernden Menschen vernünftig sind? Was ist Vorurteil, was ist tatsächliche Wahrnehmung?

„Spricht“ nun der Hund, wenn er winselt? Sicher, er benutzt keine menschlichen Worte. Aber in einem weiteren Sinn würde die Frage, ob Tiere sprechen eher meinen ob sie denken, ob wir uns verstehen können, oder ob sie eben nicht sprechen, blind gebunden sind an Reiz-Reaktionsschemata. Sprechen Tiere also insofern sie denken und wir uns ein Stückweit verstehen können, und sprechen sie nicht, insofern sie keine Sprache kennen? Wir verstehen den Hund auch ohne formulierte Worte, aber nur basal – können mit ihm keine komplizierten Gespräche führen, Geschichten erzählen. Keine Verträge schließen. Genügt dieses Schweigen nun um festzustellen, dass es sich hier „bloß um Tiere“ handelt?

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Wie verhält es sich mit Insekten, wie diesem Grünwidderchen? „Sprechen“ sie? Sich in das Leben eines Insekts hineinzudenken fällt extrem schwer – und doch kämpft jede Blattlaus verzweifelt um ihr Leben, wenn sie sich in einem Spinnennetz verheddert.

Selbstverständlichkeiten als Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmen ganz konkret darüber, was wir alltäglich zu Gesicht bekommen, auf was wir hören und auf was nicht. Sprechen wirklich alle Menschen? Was ist mit denen, die z.B. illegalisiert sind und die keine Öffentlichkeit hört? Vielleicht kommt es beim Sprechen weniger auf den Gebrauch der Sprache an, als vielmehr auf ein Gehört-Werden? Der Mann im Mond mag in allen Sprachen fließend sein – von welcher Relevanz ist dies, wenn seine Worte ungehört verhallen, wenn niemand sagen kann: „er hat gesprochen“. Die Frage „Können Tiere sprechen?“ problematisiert also nicht nur die Berechtigung und den Sinn der Mensch-Tier-Grenze, sondern impliziert umgekehrt auch eine Kritik unserer Selbstverständlichkeiten. Wir müssen uns immer wieder gegen unsere Gewohnheit sträuben und umgekehrt uns selbst fragen: „Können wir Tiere sprechen hören?“ Die aufmerksame Beobachtung, liebevolle Hinwendung und das Leben an der Seite der vielen Tiere scheinen mir hierfür sehr geeignet zu sein.

Schließlich bleibt mir die Ungewissheit, ob wir nicht uns erst dann wahrlich um eine Sprache der Tiere bemühen dürfen, wenn die mögliche Antwort keinen so unendlichen Unterschied mehr macht.

Was denkst Du?

Mit Schneeschuhen durch die Winterstille

Wandern im Winter? Klar, mit Schneeschuhen!

Click here for English version!P1110402Damit man so aber auch ungefährlich Spaß haben kann, gilt es einiges zu berücksichtigen: warum Schneeschuhtouren sehr lohnenswert sind will ich hier genauso beschreiben, wie was es alles zu beachten gibt, um nicht das Leben der Tiere im Wald oder natürlich das eigene zu gefährden.

Die Freuden der winterlichen Natur habe ich in den letzten beiden Posts ja schon besprochen, Beobachtung von Vögeln an der Fütterung sowie Spurenlesen! Mit Schneeschuhen kann man Tierspuren nun nicht nur neben dem Spazierweg entdecken, sondern auch den Winteralltag der Tiere im Gebirge erkunden, bzw. dort, wo eben nicht geräumt wird. Außerdem verschlägt es in der Regel wenige (wenn auch wachsende) Zahlen von Besuchern auf die verschneiten Gipfel – die meisten Touristen bleiben auf der Skipiste. So hat man die eiskalt verzauberte Bergwelt plötzlich ganz für sich alleine und kann die schweigende weiße Weite viel besser in sich aufsaugen!P1110377Gleichzeitig aber bringen diese besonderen Möglichkeiten auch Probleme mit sich!Für die allermeisten heimischen Tiere ist der Winter nämlich jedes Jahr eine Herausforderung, bei der es ums Überleben geht. Gerade das alpine Klima, bei dem Temperaturen von -20°C keine Seltenheit sind, verlangt seinen Bewohnern alles ab. Wenn wir unsere beheizten Wohnungen für eine Schneeschuhtour verlassen, sollten wir darum versuchen, jede unnötige Störung zu vermeiden. Die wohl wichtigste Richtlinie hierfür lautet: auf den Wegen bleiben! (Z.B. auf verschneiten Forststraßen – dort geht es sich auch angenehmer!) An regelmäßig passierende Winterwanderer gewöhnen sich Hirsch, Reh und Gams leicht – umso beängstigender ist es für sie darum, wenn ein Zweibeiner plötzlich den Weg verlässt. Die oftmals panische Flucht kann im Tiefschnee leicht zur völligen Erschöpfung und zum Tod führen. Darum ist es ratsam, die im Wald zurückgelegte Strecke möglichst kurz und eher auf Forstwegen zurückzulegen – je tiefer der Schnee, desto wichtiger ist diese Regel! Danach, oberhalb der Baumgrenze, kann man sich dann freier bewegen, da die hier lebenden Tiere einen schon von Weitem kommen sehen. Aber auch, und gerade hier, gilt es ein weiteres Thema zu berücksichtigen!

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Steiler sollte es – lawinentechnisch – nicht werden!

Lawinengefahr.
Jedes Jahr kommen zahlreiche Wintersportler in Lawinen ums Leben, diese Naturgewalt wird leider allzu oft völlig unterschätzt. Um Lawinengefahr richtig einschätzen zu können ist einige Erfahrung und ein gutes Verständnis für das komplexe Zustandekommen der Schneelage erforderlich! Um bei wenig Erfahrung dennoch Schneeschuhtouren zu machen, ist große Vorsicht geboten.

  • Unverzichtbar: Ausgiebige Information im Vorfeld über die Schneelage, z.B. in Tirol der Lawinenlagebericht!
    Dort wird in Gefahrenstufen unterschieden, von 1 (gering) bis 5 (sehr groß). Generell sollte man Touren über der Baumgrenze nur bei Stufe 1 durchführen und nur mit:
  • Lawinenausrüstung im Gepäck! Pieps, Sonde und Lawinenschaufel sind absolut notwendiges Material, das man im Rucksack mit sich führen sollte. Aber die Ausrüstung allein hilft gar nichts: man muss die komplexen Such- bzw. Bergevorgänge genau vor Augen haben, damit es im Ernstfall auch etwas hilft.
  • Nur im flachen Gelände, unter 20° Neigung! Das Bild oben zeigt in etwa, welche Steigung mit Schneeschuhen problemlos machbar ist; dort ist auch die Lawinengefahr sehr gering und eine Auslösung extrem unwahrscheinlich.
  • Unter der Baumgrenze bleiben: Wer in ähnlicher Steigung wie oben, aber unterhalb der Baumgrenze unterwegs ist, muss deutlich weniger befürchten: hier schützen z.B. die Bäume meist vor starken Windverpressungen, die Schneebretter entstehen lassen. Aber auch hier gilt: Immer den Lawinenlagebericht zu Rate ziehen!

P1110383Einfach fröhlich drauf los marschieren ist bei Schneeschuhtouren also ganz falsch. Wenn man aber die Verhältnisse gut im Auge behält, entsprechend vorbereitet ist, im Wald hauptsächlich am Weg bleibt und Fütterungen wie Ruhegebiete meidet (bei Ortsansässigen auch oft erfragbar, natürlich auch direkt beim Jäger oder Förster), dann kann man sich eine oftmals bizarr verschneite Traumlandschaft erwandern und völlige Ruhe dabei genießen!

Einfache Alternative: Nimm Dir einen Guide! Ein qualifizierter Führer wird für deine Sicherheit alles nötige tun, sodass Du dich entspannt zurücklehnen kannst. Auch wenn Du nicht mich anstellst, in vielen Skiorten gibt es Bergwanderführer oder Bergführer die geführte Schneeschuhtouren anbieten – auch für Einzelgruppen. Wenn es dann noch ein/e Naturführer/in ist, kannst Du gleich nochmal über einen ganzen Haufen Details mehr staunen!

Rein technisch gibt es nicht so viel zu beachten, Ausrüstung bekommst Du inzwischen in den meisten Sportgeschäften – mit entsprechender Beratung – oder du leihst Schneeschuhe einfach für ein Wochenende aus. Beim Gehen einfach ganz normal laufen, nur ein kleines bisschen breiter. Das hat man schnell heraus!

Wenn also der Winter doch noch kommt, ist nicht-Skifahren-können kein Grund drinnen zu bleiben!