Japan

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Der goldene Tempel Kinkaku-ji in Kyoto, eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Japans. In den Bergen dahinter wartet eine oft einsame, wilde und faszinierende Natur darauf, erkundet zu werden!

Für mehr als vier Wochen haben meine Frau Franziska und ich, als späte Flitterwochen, Japan erkundet. Es ist die beste Reise unseres Lebens geworden, und weil nicht nur die Städte faszinierend fremd und schön waren, sondern auch die Natur Japans unerwartet weit und wild, will ich hier etwas davon berichten.
Mit einem Reisekoffer, den wir bei Bedarf an Bahnhöfen eingesperrt haben, und einem großen Rucksack mit all unserer Wanderausrüstung sind wir leichtgewichtig und minimalistisch unterwegs gewesen. So konnten wir unsere Reise durch Stadt und Land auch in vollen Zügen genießen.
Im Vorfeld hatten wir ein Semester lang an der VHS etwas japanisch gelernt und einen ganzen Stapel an Reiseführern gewälzt. Letztendlich dabei hatten wir dann den von Lonely Planet „Japan“, sowie als Wanderführer vom selben Verlag „Hiking in Japan“. Wir haben die Zeit in Blöcken organisiert, zu Beginn würden wir direkt in die Japanischen Alpen reisen, danach planten wir einen längeren Aufenthalt in Kyoto und auf der „Kunstinsel“ Naoshima, wofür wir zeitig unsere Unterkünfte reservierten. Die zweite Hälfte der Reise war wieder ganz frei, erst für unsere letzten Tage in Tokyo haben wir wieder eine Unterkunft gebucht. Diese Organisationsweise sollte sich als ideal herausstellen.

1. Japanische Alpen

Von Tokyo Narita Airport fuhren wir mit zahlreichen Umstiegen noch am selben Nachmittag ca. 4h lang nach Matsumoto. Das beschauliche Städtchen ist irgendwie mit Innsbruck vergleichbar, es liegt in einem weiten Tal zwischen den Nordalpen im Westen und den Südalpen im Südosten.

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Matsumoto-jo (Burg Matsumoto – kein Tempel, sondern eine Festung!) im Regen

Die japanischen Alpen befinden sich übrigens generell nicht etwa auf der Nordinsel Hokkaido, wie mancher meint, sondern in Zentral-Honshu, grob zwischen Tokyo und Kyoto. Nach dem Fuji mit 3776m befinden sich hier die höchsten und alpinistisch anspruchsvollsten Gipfel Japans. Den fünfthöchsten, Yari-ga-take, 3180m, sollten wir auf unserer Tour erklimmen. Um uns vorher generell zu akklimatisieren, verbrachten wir zunächst drei Nächte in einer liebenswerten traditionellen Herberge und erkundeten die ländliche Gegend um Matsumoto.

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Die größte Wasabi-Farm Japans befindet sich nur einen Steinwurf von Matsumoto entfernt

Geplant war eine Überschreitung der Nordalpen, wie sie in unserem Wanderführer beschrieben war. Wir würden von Murodo am heiligen Berg Tate-yama in etwa fünf Tagen nach Kamikochi im Süden wandern. Murodo liegt auf der unwahrscheinlich touristischen „Alpine Route“, die den nord-süd verlaufenden Gebirgszug in ost-west-Richtung überwindet: mit Bussen, Elektrobussen in Tunneln, Seilbahnen etc. werden die Menschenmassen, vorbei am riesigen Kurobe-Damm, auf über 2.000m Seehöhe gehievt. Wir sind nicht ins andere Tal abgefahren, sondern vom höchsten Punkt Murodo aus losgewandert.

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Den Rücken entlang nach Süden, hier mit Blick auf den Kurobe-Stausee

Eigentlich war eine Besteigung des Tate-yama geplant, aber der Berg war in dicke Wolken gehüllt und die Anreise hatte unerwartet lang gedauert. Wir ließen die zahlreichen Pilger also zurück und wandten uns nach Süden, um unseren Zeltplatz Goshiki-ga-hara noch rechtzeitig zu erreichen.

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Der kleine Spitz im rechten Drittel ist Yari, der Zielgipfel unserer Tour

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Hier sind nur noch wenige Wanderer unterwegs

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Es ist die Nacht vor „Supermoon“, dem Zeitpunkt des Jahres, in dem der Mond der Erde am nächsten ist. Ein in Japan viel gefeiertes Ereignis.

Zelten ist scheinbar in ganz Japan nicht verboten, aber in den Nationalparks und Alpen soll man sich an vorgegebene Zeltplätze im Umkreis der Hütten halten, wo es dann auch sanitäre Anlagen und Wasser gibt. Nachdem die Hütten alle mit Helikopter versorgt werden, ist eine Übernachtung und das Essen dort sehr kostspielig; außerdem sind sie im Vergleich zu den Hütten der Ostalpen recht ärmlich. Sie müssen allerdings auch mit dem Heli versorgt werden, da die Bergketten hier weitgehend wild und Forststraßen weit und breit nicht zu sehen sind! Generell sind die japanischen Alpen faszinierend anders; unsere Wanderung blieb immer über 2.300m, aber wir sind oft durch herbstlichen lichten Bergwald gewandert, in und an der Waldgrenze entlang. Die Vegetation erscheint mir teilweise eher mit Skandinavien vergleichbar, wo auch kleine Birken im Herbst alles gelb zaubern. So verwandelt sich die alpine Landschaft dort viel intensiver als beispielsweise in den heimischen Kalkalpen, mit denen die japanischen in puncto Steilheit (fast) und Meereshöhe vergleichbar wären.

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Irre leuchtende Herbstfarben

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In dieser extremen Weite kommt uns gar niemand entgegen, aber absurderweise treffen wir am ersten Abend ein Bergsteigerpaar aus Innsbruck. Erst als wir uns dem Wander-Einzugsbereich von Kamikochi nähern, treffen wir häufiger auf andere Wanderer. Mehr als zehn am Tag sind es aber nicht. Auffallend ist dabei, dass der Altersdurchschnitt sicher bei 60 liegt! Uns sind fast nur Rentner begegnet, die unglaublich fit sind. Hierzulande habe ich jedenfalls noch keine 70-jährige Oma mit großem Rucksack in einer Geröllhalde davon prahlen hören, wie sie alle umliegenden 3.000er schon in den letzten Jahren bestiegen hat und nicht daran denkt aufzuhören!

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Tiere sehen wir leider kaum, mit Ausnahme dieser perfekt getarnten Schneehühner

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Als wir endlich den Yari-ga-take erklimmen, weitet sich der Blick nach Südosten und am Horizont erkennen wir: Fuji-san!

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Am „japanischen Matterhorn“ Yari-ga-take (3180 m) tummeln sich einige Omas und Opas, die den mit Stahlleitern und -seilen verischerten Gipfel erklommen haben und mich oben strahlend mit High-Fives begrüßen.

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Die letzte Nacht unserer Tour, wie immer unter strahlendem Sternenhimmel

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Die chinesischen Schriftzeichen Kanji können wir nicht lesen, aber im Vergleich mit Wanderkarte und Reiseführer lässt sich der Weg immer recht gut finden

Mit vor Begeisterung leuchtenden Augen und um einige Pfund leichter kamen wir in Kamikochi an, einem übertouristischen Wanderdomizil, das nur im Sommer mit Verkehrsmitteln erreichbar ist. Hier hielten wir uns nicht viel länger auf, sondern fuhren alsbald zurück nach Matsumoto, wo wir uns spontan in eines der günstigen Business-Hotels einmieteten: Duschen!

2. Nara, Kyoto, Naoshima

Tags darauf fuhren wir nach Nara, ein kleines Städtchen 45min mit dem Zug südlich von Kyoto. Dort wanderten wir gemütlich durch liebliche traditionelle japanische Kulturlandschaften und zelteten irgendwo im Wald.

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Reisfelder, Tempel, traditionelle Ortschaften, Kaki-Haine, Bambuswäldchen und… öffentliche Toiletten wechselten sich ab, wir genossen diese Wanderung durch ein so verträumt ländliches Japan sehr! Gerade auch als Kontrast zu unserer Bergtour war diese liebliche Landschaft sehr willkommen.
Im Anschluss besichtigten wir die touristischen Highlights von Nara und fuhren weiter nach Kyoto, wo wir einige Tage verbachten. Zwischen Tempeln, deren Gärten, köstlichem Essen und unserer Entdeckung der japanischen Badekultur („Sento“ heißen die Badehäuser, die nahezu überall, auch in großen Städten, anzutreffen sind, während „Onsen“ solche mit eigenen heißen Quellen sind) verging die Zeit im Fluge.

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Daifuku, die beste Süßigkeit der Welt

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Nach diesen schönen Tagen fuhren wir weiter nach Naoshima, einer sehr sehenswerten kleinen Insel in der Inlandsee, die viele Kunstprojekte und Museen inzwischen zu einer regelrechten Kunst-Insel gemacht haben. Es war genial!

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Der Fährhafen Naoshimas mit einem „Kürbis“ von Yayoi Kusama – der Künstlerin aus Matsumoto

3. Yakushima und Kyushu

Die letzte große Station unserer Reise führte uns bis ganz in den Süden, noch südlich von der großen Südinsel Kyushu liegt die kleine Insel Yakushima, deren Berge aus dem subtropischen Regenwald immerhin knapp 2.000m hoch aufragen. Der moosige und wilde Wald mit uralten Zedern diente als Vorbild für Studio Ghiblis „Prinzessin Mononoke“. Wir badeten in zahlreichen heißen Quellen mit wunderbar mineralischem Wasser, bevor wir uns zu unserer dreitägigen Durchquerung der Insel von Süd nach Nord aufmachten.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERADer erste Tag der Tour war ein wilder Kampf durch den Urwald, über oder unter Baumstämme, es gab sogar eine Blutegel-Attacke. Nach 10 Stunden wilder Plackerei sind wir sehr erledigt in unser Zelt gekrochen! Die beiden anderen Tage sind die klassische Yakushima-Wanderung, die viele japanische Touristen unternehmen, daher war der Weg hier gut ausgebaut und gemütlich zu gehen. Am Morgen des dritten Tages kamen wir dann am berühmten Jomon-Sugi vorbei, Japans größter Zeder, mit einem Stammumfang von 28m. Schätzungen zufolge ist dieser Baum zwischen 2200 und 7200 Jahre alt! Nach unserer Tour entspannten wir uns am Meer, bevor wir nach Kyushu aufbrachen.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERADen Schlussteil unserer Reise stellt Kyushu dar. Auf der für ihren Vulkanismus bekannten großen Südinsel sind wir von Onsen zu Onsen gereist und haben zwischendrin mit kleinen Wanderungen die Gegend erkundet. So auch am Berg Aso, der weltgrößten Caldera, in deren Mitte Japans aktivster Vulkan Nakadake aufragt. Wegen giftigen Dämpfen und besonderer Aktivität war tatsächlich das Gebiet weiträumig gesperrt, sodass wir unsere geplante Wanderung auf einen Spaziergang beschränken mussten.

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Unzen Onsen ist ein kleiner Kurort in Kyushu und Japans ältester Nationalpark. Hier steigen Schwefeldämpfe direkt aus der Erde und das kochende Wasser wird in Staubecken gesammelt und mit Rohren in die Badeanlagen der verschiedenen Onsen-Hotels geleitet.

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Direkt hinter Unzen erhebt sich ein kleiner Berg, der eine herrliche Aussicht auf Shimabara und die Bucht von Kumamoto bietet. Ausserdem kann man hier auf Japans jüngsten Berg Heisei-Shinzan blicken, der bei einem Vulkanausbruch 1992 erst entstanden ist (im Bild nicht zu sehen – dafür sieht man am Horizont im Dunst leicht den Supervulkan Aso-san).

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In der Aso-Caldera wird Landwirtschaft betrieben und am Wegesrand blühen die für Japan so typischen Cosmea.

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Den glorreichen Abschluss unserer Reise bildete die Nächtigung in einem Ryokan (einer gehobenen traditionellen Herberge) in Kurokawa Onsen!

So faszinierend abwechslungsreich und reizvoll Japans Natur und Wandermöglichkeiten waren, am Meisten beeindruckt hat uns die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen. Mit unseren fragmentarischen Japanischkenntnissen kamen wir zwar nur gerade so durch, aber die Liebenswürdigkeit, die uns ein ums andere Mal entgegengebracht wurde, hat uns verzaubert. Als wir nach der langen Reise nach Tokyo zurückkehrten, wo wir noch fünf Tage verbrachten, fühlten wir uns nicht mehr wie Touristen – Japan war ein Stück Heimat geworden.

Waldwildnis und Kulturlandschaft oder: was ist ein Wald?

Vom Bahnhof Kranebitten aus gilt es in die Welt des Waldes einzutauchen und dabei der Frage nachzuspüren, welche Einflüsse der Mensch auf die Natur haben kann.P1070318Diese Naturführung habe ich als Abschlussarbeit für meine Naturführer-Ausbildung selbst konzipiert. Man durchwandert dabei zahlreiche unterschiedliche Lebensräume in einer ursprünglichen Natur direkt vor der Landeshauptstadt Innsbruck!P1010269

Zuerst durchwandern wir die artenreichen Südhänge mit denen das Karwendel ans Inntal grenzt. Hier, mit Blick über das ganze Inntal, finden sich artenreiche Wiesen und Hecken, die bei näherem Hinsehen komplexe Zusammenhänge offenbaren.

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Auf gut ausgetretenem Wanderweg durch einen klassischen Forst erreichen wir schnell eine ausblickreiche Höhe, auf der wir nun auf schmalen Pfaden ein ehemaliges Waldbrandgebiet mit seiner Blüten- und Insektenvielfalt entdecken.

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Anschließend geht es, immer noch auf ausgesetztem Wanderweg, der einige Trittsicherheit voraussetzt, in ein Naturwaldreservat. Hier wird der Wald ganz seiner natürlichen Entwicklung überlassen und es gibt nicht nur einiges über die knorrigen Baumriesen zu staunen, sondern auch über ihre Bewohner! Mit einigem Glück lassen sich sogar Gämsen beobachten, während wir versuchen mit allen Sinnen diesen Ort wahrzunehmen.P1070542Ein letzter Anstieg schließlich führt uns in einen klassischen Fichten-Kiefern-Bergwald, der den Abschluss zu den unterschiedlichen Baumgesellschaften bildet. Von hier können wir wieder auf befestigtem Wege zur Rauschbrunnen-Hütte und ins Tal absteigen.P1070432

Dauer: ganztags
Reine Gehzeit: 4,5 Std.
Höhenmeter/Länge: 850hm; 8km
Ausrüstung/Voraussetzungen: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit; Jause
Treffpunkt: Bahnhof Kranebitten am Gleis (mit Bus und Bahn bequem erreichbar)
Einkehrtipp: Gasthof Rauschbrunnen

Preis: auf Anfrage

Was ist eigentlich „Natur“? Philosophische Naturführung

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Was ist „Natur“? Ist ein Forst noch Natur, ein Park aber nicht mehr – obwohl sie dieselben Pflanzen beheimaten? Ist der Mensch Teil der Natur? Wenn er es „nicht mehr“ ist, war er es jemals und warum?

In der äußerst vielfältigen Landschaft an den Südhängen des Karwendels, oberhalb von Kranebitten, will ich eine etwas andere Wanderung versuchen. Mit Blick auf das Inntal, das zu den dichtest besiedelten Gebieten Europas zählt, und den unzugänglichen Gipfeln ringsum geht es bei dieser Tour ganz zentral ums Selbst-Sehen und -Denken. Nach einer kurzen Einführung, die eigentlich nur dazu dient, Erwartungen zu zerstören, geht es darum, im gemeinsamen Gespräch den uns selbstverständlichen Begriff von „Natur“ auf seinen genauen Gehalt hin zu befragen. So lässt sich vielleicht ein Eindruck davon gewinnen, was Philosophie sein kann, was es bedeutet sich „im Denken zu orientieren“, und wie eng gestrickt die Bahnen unseres alltäglichen Denkens letztlich sind.

20130528_A-33Dass „Stimmung“ dem philosophischen Denken sehr förderlich sein kann, wird (hoffentlich) auf dieser traumhaften Wanderung auch für die TeilnehmerInnen spürbar. Zwischen Kulturlandschaft und Wildnisgebieten zu wandern scheint mir schließlich gerade die Denkbewegung der Philosophie zu versinnbildlichen.

Die Exkursion im Detail

20130528_A-7Die Philosophie-Exkursion startet am Endpunkt der Buslinie LK, am Bahnsteig Kranebitten. Sie führt die Teilnehmerinnen durch zahlreiche Lebensräume und ermöglicht attraktive Ausblicke Richtung Alpenpark Karwendel und Innsbruck. Insgesamt werden auf der 5 stündigen Exkursion 450 HM überwunden. Das Wandertempo ist gemächlich und die Haltepunkte zum Philosophieren stehen im Mittelpunkt.

Nachdem es vermehrt Interesse an einer Tour im August gab, werde ich auf Anfrage noch weitere Termine anbieten!

Außerdem arbeite ich gerade an einer weiteren Philosophischen Führung die sich der Frage „Können Tiere sprechen? Was unterscheidet uns „vom Tier“?“ widmen wird.

Südliche Karwendeldurchquerung vor Schneefall

Spätherbst im Karwendel:
Die Wirte verlassen die Hütten, die Hirschbrunft ist vorbei, die noch flammenden Herbstfarben blättern herab und die Wanderer finden sich nur noch zu Tagesausflügen ein. Eine geniale Stimmung für die letzte größere Bergtour der Saison! In einer ausgedehnten 3-Tages-Tour durchwandere ich Mitte Oktober das südliche Karwendel und genieße immer wieder einen weiten Blick übers Inntal in die Zentralalpen.

Walderalm

Startpunkt der Tour am frühen Morgen ist Gnadenwald bei Absam, noch vor Sonnenaufgang steige ich auf zur Walderalm. Während das Inntal noch unter der Wolkendecke schlummert, strahlen mir die weiten Ketten des Alpenhauptkamms im Morgenrot entgegen. Um diese Zeit ist die ohnehin gewaltig gelegene Walderalm kaum zu überbieten!

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Von dort geht es in der kalten Morgenluft auf ausgesetztem Steig ins Vomper Loch, ein schwer zugängliches, einsames Tal, dessen umliegende Gipfel über dem grünen Latschengürtel nun hellgrau strahlen. Am Talboden stehen Buchen und Bergahorne in hellsten Herbstfarben – bis zur phönixhaften Wiedergeburt müssen sie aber erst dem alpinen Winter trotzen.

P1040135Am Talschluss steigt der Weg um fast 1000hm auf 1912m zum „Überschalljoch“, auf dem sich der Blick weit nach Westen hinaus öffnet. Die Etappe hat hier aber ihr Ziel erreicht, das Hallerangerhaus ist nicht mehr weit.

P1040140Am nächsten Morgen gilt es wieder früh aufzustehen und einen besonders markanten Gipfel des südlichen Karwendels zu besteigen:die Speckkarspitze (Ein Name, an dem der Tiroler seine Freude hat: „Speckchkchar“). Der Große und Kleine Lafatscher direkt gegenüber und linkerhand der „Wilde-Bande-Steig“ der zum Stempeljoch hinaufführt erinnern an den frühen Alpinismus und die bergsteigerische Erschließung des endlosen Karwendelkalks.

P1040156Hier nun vom Stempeljoch der Blick zurück auf Speckkarspitze (links), die Bettelwürfe (mitte) und das noch in Wolken liegende Halltal.

P1040162Hinter der Rumer Spitze, direkt über dem Inntal scheint bereits alles auf den Schnee zu warten, auch die Gämsen nutzen die schneefreien Hänge noch einmal, um sich für die Brunft zu stärken.

Ich steige aber ab zur Pfeishütte und genieße ein warmes Abendessen auf meinem Kocher, bevor ich nachts den atemberaubenden Sternenhimmel bewundere.P1040180

Am nächsten Morgen durchwandere ich das Gleirschtal und biege links ins „Kleinkristental“ ein. Über eine abgelegene Alm und vorbei an knorrigen Bergahornen geht es nocheinmal gut 1000hm bergauf, um schließlich die Innsbrucker Nordkette bei der „Frau Hitt“-Scharte von hinten zu überqueren.

P1040184Bevor ich meine Tour nun mit einem Schlenker über den Achselboden beende, vorbei an Steinböcken, die gelassen in der Nachmittagssonne liegen, mache ich nochmal Brotzeit über den Wolken. Das darunterliegende Innsbruck hört man nur entfernt und im Windschatten ist es völlig still – kein Vogel singt, kein Wanderer in Sicht. Nur ein Rudel Gämsen macht kurz Krach, als es eine fast senkrechte Schotterreiße herunterrennt. Die Unausweichlichkeit des Winters schwebte über jedem Moment dieser Tour und lässt mich sprachlos zurück. Unter den Wolken finde ich Komfort statt den erbarmungslosen Naturkräften, die in wenigen Wochen die Gipfel umklammern und seinen Bewohnern alles abverlangen werden. In seiner titanischen Gewalt bleibt der Rythmus der Jahreszeiten rätselhaft für mich: unendlich schön, unendlich fremd.